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Vatertag – fröhliche Menschen in Feierlaune. Väter, die ihr Vatersein feiern mit Bollerwagen, Bier und Grillwurst. Oder gar zum Vatertag mit der Familie in ein Eiscafé oder eine Einladung zum Essen in ein schönes Restaurant. Für viele ein schöner Tag.

Für andere wiederum sitzt an diesem Tag etwas ganz anderes im Magen.

Gespräche, in denen der Gram mitschwingt, ich spüre es! Worte, die zeigen, was sie von ihrem Vater halten. Vielleicht haben sie es noch nie laut ausgesprochen, aber es ist das, was sie wirklich denken: „Erzeuger, nein nicht Vater, nur der Erzeuger.“

Wer dieses Wort wählt, hat dem Schmerz über die emotionale und körperliche Distanz des Vaters einen Namen gegeben und der Verletztheit Ausdruck verliehen.

Sie sagen: „Du hast Dich nicht um mich gekümmert! Es hat Dich einen Dreck geschert, wie es mir geht! Nie warst Du da, wenn ich Dich gebraucht hätte, Dich und Deinen väterlichen Rat. Ich konnte nicht auf Dich zählen, ich musste früh und schnell meinen eigenen Mann stehen.“

Ohnmacht macht sich breit……

Ist diese Erkenntnis neu für Dich als Kind?

Nein, das ist nicht neu. Das kommt selten als Schock – also plötzlich – sondern es ist ein schleichender Prozess über Jahre, manchmal Jahrzehnte.

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Da ist der Mann, der biologisch der Vater ist. Er war vielleicht körperlich anwesend – am Tisch, in der gleichen Wohnung, im selben Haus. Und trotzdem war er nicht da. Nicht wirklich. Keine Fragen, die über das Nötigste hinausgingen. Kein echtes Interesse. Keine Wärme, die das Kind und auch die späteren Erwachsenen als einfühlsam und begleitend empfunden hätten.

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Oder er war schlicht weg. Von Anfang an, oder irgendwann mittendrin.

Was bleibt, ist eine Leerstelle. Und Leerstellen sind tückisch – sie füllen sich. Manchmal mit Sehnsucht, manchmal mit Wut, manchmal mit dem stillen Glauben, man sei es nicht wert gewesen, dass jemand bleibt. Oder es prägt sich als „normal“ ins innere System ein, und obwohl man es nicht will, verhält man sich wie dieser Mensch, den man eigentlich verachtet.

Das ist das Gefährliche an einem abwesenden Vater: Er hinterlässt keine Geschichte. Er hinterlässt eine Frage. Und diese Frage – Warum nur? – zieht sich durch Beziehungen, durch Beruf, durch das eigene Selbstbild, oft ein ganzes Leben lang mit vielen Therapiestunden.

In der Beratung begegnet mir das regelmäßig. Nicht als Thema, das direkt auf den Tisch kommt – sondern als Unterton. Als Muster, das sich wiederholt. Als Reaktion, die unverhältnismäßig groß wirkt, bis man versteht, woher sie kommt.

Der Mann, der einen gezeugt hat, und der Mann, der ein Vater war – das muss nicht dieselbe Person sein. Und je früher jemand das erkennt, desto früher kann er aufhören, von jemandem Wärme zu erwarten, der sie nie geben konnte oder wollte.

Das sollte kein Urteil sein, weil wir die Beweggründe des anderen nicht kennen. Wir sind nicht in seinen Schuhen gegangen! Aber es ist Befreiung des gürtelartigen Brustkorsetts im Kind. Egal wie alt – egal was gewesen ist.

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Und dann gibt es noch den Vater, der körperlich nie gegangen ist – und trotzdem nicht da war.

Den Vater, der Führungskraft ist. Der Unternehmer. Der Mann, der früh geht und spät kommt, der immer erreichbar ist – für alle – außer für sein Kind.

Der sagt: „Ich mache das doch alles für Euch. Es soll der Familie doch gut gehen! Und Du, mein Kind, kannst später in meine Fußstapfen steigen. Ich arbeite hart und ebene Dir eine Zukunft, damit Du es leichter hast als ich. Dafür erwarte ich, dass Du Dich anstrengst!“

Der glaubt sogar, was er spricht mit voller Überzeugung! Was er nicht sagt – vielleicht weil er es selbst nicht sieht – ist, dass die Arbeit eine wunderbare Erfindung ist. Sie gibt Kontrolle, Anerkennung, Wert und Status. Alles, was zu Hause nicht so einfach zu haben ist.

Denn zu Hause wartet das echte Leben. Und das echte Leben ist unordentlich, fordernd, emotional – und lässt sich nicht in Quartalsberichte packen. Wer tief im Inneren das Gefühl trägt, nicht gut genug zu sein, der kompensiert das lieber mit Übererfolg nach außen, als sich der stillen Frage zu stellen, die ein Kind mit seinen Augen stellt. Vielleicht…… es gibt viele Gründe, ich habe nur eine von vielen Schubladen gerade geöffnet.

Und dann der Vatertag und der gesellschaftliche Anspruch

Der gemeinsame Urlaub? Wird gebucht, weil die Mutter es verlangt. Sitzt er am Strand mit dem Kind, ist er trotzdem irgendwo anders. Mit dem Handy, mit dem Kopf, mit den Gedanken beim nächsten Deal. Das Kind spürt das. Kinder spüren immer alles – sie haben nur noch keine Worte dafür.

Es ist eben nicht nur eine Flucht. Es ist eine Sucht – die Sucht nach Anerkennung, nach dem Gefühl, endlich genug zu sein. Schade nur, dass man dabei übersieht, was man gleichzeitig im eigenen Kind aktiviert: genau denselben Minderwert, vor dem man selbst sein Leben lang wegläuft.

Das Muster vererbt sich in dem Fall nicht über Gene. Es vererbt sich über Abwesenheit.

Wir sind alle Opfer von Opfern,
das dürfen wir nie vergessen.

— Anja Schönborn

Der Mann, der nicht gezeugt hat – und trotzdem Vater wurde

Auf der anderen Seite steht jemand, über den viel zu selten gesprochen wird.

Der Stiefvater, der da war. Der Mann, den die Mama kennen und lieben lernte und der alles veränderte. Es ist der Bonusvater, der sich nicht gefragt hat, ob er muss – sondern einfach gemacht hat.

Der Partner der Mutter, der das Kind zur Schule gefahren, bei den Hausaufgaben geholfen, bei Kummer zugehört hat. Der beim Schulabschluss geweint hat, weil er stolz war – auf ein Kind, das nicht von ihm stammt.

Diese Männer werden gesellschaftlich seltsam behandelt. Sie tauchen in keiner offiziellen Kategorie richtig auf. Der Vatertag gebührt auch diesen wundervollen Bonusvätern!

Aber es gibt kein Formular, das nach ihnen fragt. Und trotzdem: Sie haben Väterliches geleistet, ohne dass irgendjemand sie dazu verpflichtet hätte.

Das ist die liebevollste Form von Vaterschaft. Und vielleicht die ehrlichste.

Denn was macht einen Vater aus? Nicht das Biologische, das ist Chemie. Was einen Vater ausmacht, ist das Bleiben, das Hinschauen, das Dabeisein, auch wenn es unbequem wird. Das Annehmen eines Kindes, nicht weil man muss, sondern weil man will, aus ganzem Herzen und voller Liebe.

Wer das gelebt hat – der hat den Titel verdient. Ganz unabhängig davon, was in der Geburtsurkunde steht.

Was bleibt

Erzeuger oder Vater – das ist keine juristische Frage. Das deutsche Familienrecht unterscheidet zwischen biologischem und rechtlichem Vater. Den sozialen Vater kennt das Recht inzwischen über das sogenannte sozial-familiäre Band – schön, dass das anerkannt wird.

Aber in der Seele eines Kindes – und später eines Erwachsenen – läuft diese Unterscheidung ganz ohne Paragrafen. Die läuft über Gefühl, über Erinnerung, über die Frage: Wer war für mich da, wenn es darauf ankam?

Wer diese Frage ehrlich beantwortet, findet manchmal eine Überraschung: Der Vater war jemand anderes, als man dachte. Oder man merkt, wie groß die Lücke wirklich ist – und dass es Zeit wird, sie nicht mehr zu übersehen.

Beides darf sein. Beides verdient Raum.

Bleibe neugierig!

🌹 Deine Anja Schönborn

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Last Updated on 3 Wochen ago by Anja Schoenborn

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