So erzählte mir eine Ratsuchende von einem Streit mit ihrem Lebensabschnittsgefährten, als es mal wieder wegen Banalitäten zum Streit kam und sie genau das ihren Freund fragte!

Seit nun fast einem Jahr sind sie zusammen und am Anfang war es wunderschön……, die ersten 4 Monate! Noch nie hatte sie so ein Gefühl von Geborgenheit, Geliebtsein und Angekommensein bei einem Partner! Ich freute mich so sehr für sie!

Leider waren aber da noch andere Punkte, die so langsam anfingen, sie sehr zu stören. Er nörgelte an ihren Freundinnen herum, er mochte lieber zu Burger King zum Essen und sie zog es vor, mit etwas mehr Stil und Niveau zu speisen. Er trug immer Casual Klamotten und machte sich über sie lustig, wenn sie hochaufgebrezelt mit ihren Freundinnen einmal im Monat schick ausgingen. Seine Freunde waren eher die ruppigen, biertrinkenden Barden, ihre Freundinnen ließen es sich gerne stilvoll bei einem Glas Prosecco gut gehen. Und sicher wurde hier nicht rumgeprollt.

Ok…. Das sind erst mal Äußerlichkeiten, die man in Respekt und Achtung und Liebe gut in den Griff bekommen kann.

Dann war da aber noch was anderes…..

Er ließ sich gehen, nahm gute 10 Kilo zu und jammerte ständig, er sei zu dick. Ok, attraktiv fand sie es auch nicht. Aber sie mäkelte deshalb nicht an ihm rum. Sie sagte nur: „Wenn es Dich stört, dann ändere es doch! Mach was für Dich!“

Aber diesmal war er die Frau und das war ihm zu wenig Unterstützung. Er wollte, dass sie sagt: „Nein Schatz, alles gut. Ich find jedes Gramm an Dir schön!“  Sie sagte es nicht und hielt den Mund und das war die Katastrophe schlechthin.

Er ist in einem Angestelltenverhältnis und sie ist schon viele Jahre selbständig. Sie hat eine 6 Tage Woche, jeder Tag  ein 14 Stunden Tag und ist neben erwachsener Tochter und einem Haus, was sie sich vor Kurzem zugelegt hatte, voll eingespannt und abends einfach nur erledigt.

Immer wieder kam es dann vor, dass sie abends neben ihrem Schatz im Bett lag und vor Erschöpfung einfach nur einschlief.

Ihr könnt` Euch denken, was nun kommt! J

Sie wollte eben keinen Sex und das nahm er immer wieder sehr persönlich! Bezog es natürlich auf sich, auf seine zu vielen Kilos und beschimpfte sie vom Feinsten. Streit war vorprogrammiert.

Sie traute sich gar nicht mehr, sich an ihn zu kuscheln und liebevoll miteinander einzuschlafen, weil sie genau wusste, er würde es als Signal für Austausch von Körperflüssigkeiten sehen.

Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Male wir telefoniert haben, wo es, nicht nur deshalb, zu Eskalationen kam und wieder einmal Schluss war. Wie viele Erniedrigungen gegenseitig ausgetauscht wurden…..  und dann doch nach ein paar Tagen wieder eine Aussprache stattfand und sie es weiter miteinander versuchten.

Jedes Mal kam sie in ihr Thema, nämlich Verlust- und Trennungsangst. Obwohl sie wusste, es geht ihr nicht gut dabei, war die Eingangsfrage bei mir immer: „Ist es jetzt vorbei? Ist nun Schluss? Meldet er sich wieder? Wie geht es weiter?“

Beide waren unglücklich, suchten nach Lösungen. Bei ihm waren alte Traumata aus der Kindheit von Missbrauch ein Thema und sie hatte unglaubliche Verlust- und Trennungsängste.

Er war sogar bereit, systemisches Familienstellen und mehrere Matrix Heilungen zu machen. Auch sie machte Heilungssessions und sie brachten tatsächlich kurzfristig Beruhigung des aufgebrachten Gemüts, bis recht schnell war das nächste Fettnäpfchen da war. Und sicherlich gaben sich beide nichts……

Was passiert da?

Warum nur machen sich zwei Menschen, die eine Grundliebe zueinander haben, das Leben so schwer?

Hier sieht man mal wieder, Du kannst eine Seele, einen Menschen unbändig lieben, wenn aber der Alltag nicht miteinander funktioniert, scheitert es an Kleinigkeiten.

 Anfangs kann man die Dispute noch zählen, dann werden es immer mehr. Dann wird der Alltag von „Hab-Acht-Stellung“ bestimmt und wie bei einer Glasschüssel, die mit der Zeit viele kleine Haar-Risse hat, geht auch diese Schüssel irgendwann zu Bruch.

Wohl dem, der früh genug erkennt, welche Konditionierungen dahinter stecken. Wohl dem, der sich nicht auf Kämpfe und Diskussionen einlässt und die Ruhe bewahren kann.

Wohl dem, der sich nicht am innerlichen Krieg des anderen, der sich äußerlich zeigt, beteiligt und sagt:

„Ich stehe dafür nicht zur Verfügung!“

Wohl der, die erkennt, dass es sich dienlich war im Sinne der Seelentransformation! Wohl der und dem, der dann den Segen ausspricht und sich freigibt! Wohl dem, der erkennt, welche Prozesse in einem selbst notwendig sind, um einen solchen Partner nicht mehr anzuziehen! Wohl dem, der in die Selbstreflektion geht und dann erst mal entscheidet, bei sich zu bleiben, um die Frequenzen zu verändern.

Dann klappt es auch mit einem neuen Partner, der sich der neu erarbeiteten Frequenz gleicht. Nur so geht es!

Und was haben wir in diesem einen Jahr mit meiner Ratsuchenden erreicht?

  • Sie weiß nun, wie es sich anfühlt, wenn man zu sehr klammert
  • Sie hat erkannt, dass ein Partner keine innere Leere füllen kann
  • Sie weiß nun, was es bedeutet, kontrolliert zu werden
  • Sie sieht nun, das es nicht die Gegensätzlichkeiten sind, die eine harmonische Beziehung ausmachen, sondern die Gemeinsamkeiten im alltäglichen Denken und Handeln
  • Sie fühlt nun, was es bedeutet, innere Zentriertheit zu haben
  • Sie hat gelernt, das Diskussionen nur eine Machthandlung sind, um die eigene Meinung dem anderen überzustülpen
  • Sie sieht nun, wie wertvoll Harmonie und Gleichklang sind.
  • Sie hat erkannt, dass kein Partner der Welt ihre innere Zufriedenheit herstellen kann
  • Das erste Mal fühlt sie sich alleine besser, als mit einem Partner
  • Sie hat erkannt, auf welche Zeichen man zu Anfang bei der Partnerwahl achten sollte
  • Wir sind gemeinsam den Weg der Selbsterkenntnis gegangen und haben ihre ganz persönlichen Werte und Vorstellungen klar definieren können
  • Sie weiß nun, wann es besser ist, einen Menschen gehen zu lassen, anstatt ihn immer wieder verbiegen zu wollen.
  • Sie will auch nicht verbogen werden, um den Bedürfnissen des Partners gerecht zu werden

Das ganze Drama endete mit einem seiner immer wieder auftretenden Wutanfälle und üblen Beschimpfungen. Er verließ das Haus im Streit und fuhr ein paar Tage ohne sie in Urlaub. Sie schickte noch Nachrichten, die er demonstrativ nicht las und keine Sprachnachrichten abhörte. Eine klare Bestrafungshandlung für sie, was sie natürlich verletzte. Dann kam die Frage: „Warum tut er so was?“

Ganz einfach: Sein Kindheitstrauma mit Missbrauch von der Mutter ist nicht geheilt. Jede Frau in seinem Leben steht Synonym für weibliche Linie Herkunftsfamilie. Die Mutter konnte er nie anklagen, so sind es die Partnerinnen in seinem Leben, die er beschimpfen und beleidigen kann. Es ist sozusagen eine Bestrafung der Mutter.

Verrückt, ich weiß. Besser wäre, er würde die Mutter in einem Dialog stellen und alles an Wut, Verletztheit und Ohnmacht ihr um die Ohren hauen. Das traut er sich natürlich nicht, so müssen es die Partnerinnen an seiner Seite aushalten. Ein Teil in ihm will geliebt sein und er tut alles nur Erdenkliche dafür und der andere Teil will die Mutter bestrafen und verletzen, was aber an die falsche Adresse geht.

Seinen Weg der Heilung des Traumata kann meine Ratsuchende für ihn nicht gehen. Durch die Eskalationen zeigt es mir nur, wo bei wem welche Themen verborgen sind. Er wollte nicht mit mir sprechen und arbeiten. Das ist sein gutes Recht. Meine Klientin kenne ich nun schon einige Jahre. Behutsam und gemäß ihres Tempos sind wir ihre Themen angegangen. Ja, sie hat sich ihn ausgesucht, um wieder an ihre Grenzen zu kommen. Diesmal aber im Rollentausch, was sehr wertvoll für sie war und ist.

Ich bin gespannt, nach all den Transformationsschritten, die wir gemeinsam erarbeitet haben, welchen Partner sie als Nächstes anzieht! J

Natürlich schickte ich meiner Klientin diesen Text und fragte sie, was sie dazu sagt und ob ich ihn veröffentlichen darf.

Reaktion war:

„Liebe Anja, Du hast alles auf den Punkt getroffen. Bin auch gespannt, wer als nächstes in mein Leben tritt! Du hast Dir echt viele Details gemerkt! Das ist ne echt krasse Story gewesen. Na klar kannst Du es veröffentlichen, sind ja keine Namen und Orte dabei!“

Wijk aan Zee, 10.03.2019

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